Donnerstag, 23. Juli 2015

TTT: (Keine) 10 Bücher, die ich gegen eine Leseflaute empfehle

„10 Bücher, die du gegen eine Leseflaute empfiehlst“ sind beim heutigen Top Ten Thursday gefordert.

Ja. Hm. Ähm. Ich glaube nicht an Leseflauten – und schon gar nicht daran, dass sie etwas sind, was uuuuunbedingt und aufs Energischste bekämpft werden müsste. „Ich habe eine Leseflaute“ ist für mich gleichbedeutend mit „Ich hab keinen Bock“ und auf solche Aussagen reagiere ich gerne mit „Dann lass‘ es doch einfach“.
Yep, ich gehöre zu den Menschen, die auf die Aussage „Ich hab heute gar keine Lust, zur Arbeit zu gehen“ gerne lapidar erwidern: „Dann bleib zuhause, lass‘ dich halt rausschmeissen und leb mit den Konsequenzen.“

Wenn mir jemand sagt: „Hach, ich hab früher so gerne dies oder jenes Hobby ausgeübt, aber hach, aktuell ….“, lache ich in der Regel.
Diejenigen, die ich kenne und die mir gegenüber schon eine Leseflaute beklagt haben, haben während dieser Phasen ja nicht verzweifelt vor ihrem Bücherregal gekniet, die Hände gen Himmel gereckt und geschrien: „Ich will nicht länger und nie wieder nicht lesen können!“ Nein, sie haben sich während ihrer Leseflauten sehr gut beschäftigen können, nur nicht mit Lesen. Ist doch okay.

Hobbies kommen, Hobbies gehen, Hobbies kehren vielleicht zurück. „Aber hier geht es ums LESEN!“ Ja, und? Auch wenn  du mal zwei Jahre kein Buch mehr liest und nach drei Jahren doch mal wieder den Drang zu lesen verspürst, kannst du dir immer noch ein Buch schnappen und einfach lesen.
Ein Bekannter von mir ist Hobby-Triathlet und wenn der nun das Training komplett aufgibt und in drei Jahren spontan beschliesst, am vier Tage darauf stattfindenden Ironman teilnehmen zu wollen: Das ist dann echt blöd. Jammert jener Bekannte mal, dass er keine Lust hat zu trainieren, dann weise ich ihn durchaus darauf hin, dass er doch aber aktuell auf diesen oder jenen Wettbewerb hinarbeitet.

Aber was hat man denn während einer Leseflaute zu verlieren? Irgendwann wird der Wind wohl wieder aufkommen.

Ich lese in der Regel ein Buch täglich und hatte auch schon Zeiten, in denen ich quasi gar nix gelesen habe. Weil ich zum Beispiel „Haven“* am Stück geschaut habe und Seriekucken da grad einfach besser fand. Und danach hatte ich auch erst noch keine grosse Lust dazu, mich mal wieder so richtig auf ein Buch einzulassen; stattdessen habe ich dann noch „Men at Work“ gekuckt und, ganz ehrlich, mit einer Folge von „Modern Family“ kann man mich von JEDEM Buch ablenken.
Leseflaute? Nee, einfach nur mehr Lust auf was Anderes.

Okay, ich setze den Begriff der Leseflaute angesichts des heutigen TTT-Themas jetzt gleich mit: „Oh, Tanja, du liest doch soooooo viel. Ich habe auch Lust, mal wieder so ein richtig gutes Buch zu lesen. Kannst du mir da grad einen tollen Roman empfehlen?“

Klar, kann ich: Lies einfach meinen Beiträg über meine bisherigen Lesehighlights 2015 anlässlich des letzten Top Ten Thursdays! ;)



Buch 1: "Als der Himmel uns gehörte" (Charlotte Roth)
Buch 2: "I'll Give You The Sun" (Jandy Nelson)
Buch 3: "Hollow City - The Second Novel of Miss Peregrine's Peculiar Children" (Ransom Riggs)
Buch 4: "Etta and Otto and Russell and James" (Emma Hooper)
Buch 5: "We Need New Names" (NoViolet Bulawayo)

Top Ten Thursday – Buch 6

Damit es nicht wieder nur bei den Top 5 bleibt, hier noch eine kurze, längst vergangene, Geschichte:

A. ist männlich und Anfang 20: Just hat er eine Woche auf Kreta verbracht, wo er sich unter Anderem beim Baden von einem Fisch in den Fuss hat beissen lassen, auf dessen Sabber er allergisch reagiert hat. Das ist eigentlich völlig unwesentlich für diese Geschichte, aber ich bin mir ganz sicher, A. möchte nicht, dass dies unerwähnt bleibt, wo er doch nach eigener Aussage fast einer Giftfischattacke erlegen wäre. 
Nun geht es heimwärts: Der Flug soll am Vormittag starten und A ist genervt, weil seine Mitreisenden und er schon am frühen Morgen abgeholt und vom Hotel zum Flughafen gekarrt wurden. Erschüttet textet er mir, dass man nun bereits eingecheckt hat und sich im Sicherheitsbereich befindet, aber das Boarding frühestens in zwei Stunden startet. 
Keine zwei Stunden später erreicht mich die wütende Nachricht, dass der Flug auf den späten Nachmittag verschoben worden ist und man bis dahin im Sicherheitsbereich gefangen ist. Eigentlich hätte man ja nun noch einen halben Tag so schön und ganz in Freiheit urlauben können. 
Meinen Hinweis, dass er im Flughafen aber insofern in Sicherheit ist, dass er keine weiteren Angriffe von Killerfischen befürchten müsse, nimmt er nicht wohlwollend auf. 
Im weiteren Verlauf entspinnt sich in etwa folgender Dialog in Textnachrichtenform zwischen uns:

„Ich hab mir jetzt ein Buch gekauft.“
„Du hast dir ein Buch gekauft?“
„Ja, sonst kann man hier ja kaum was kaufen.“
„Du hast dir ein Buch gekauft? Du liest doch NIE?“
„Ja, aber ich muss mir doch nun irgendwie die Zeit vertreiben!“
„Mit einem Buch? Du?“
„Ja.“
„Ist es ein englisches Buch?“
„Nein. Die hatten hier im Buchladen auch vier oder fünf deutsche Bücher, also ein deutsches.“
„A., du findest selbst im allergrössten Buchladen nie etwas, das dich interessiert. Aber da konntest du dir aus einer Handvoll Bücher eines rausfischen, was du als geeigneten Zeitvertreib für dich betrachtest?“
„Ja, und das ist echt gut!“
„Was?“
„Ich habe doch schon zu lesen angefangen, boah, ist das toll!“
„Hast du einen Sonnenstich?“
„Nein!“
„Musst du wegen des Killerfischs noch bewusstseinsverändernde Medikamente einnehmen?“
„Jetzt wirst du albern! Gleich antworte ich dir einfach nicht mehr!“
„Du musst ja jetzt auch lesen.“
„Genau!
„Was liest du denn? „Der Kindersammler“ von Sabine Thiesler, kennst du das?“
„Nein.“ (Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt nicht.)
„Gut, ich les jetzt weiter. Ich sag dir später, wie es war!“

A. ruft mich noch am selben Abend, kaum dass er zu seiner Wohnungstür herein ist an, liest mir den Klappentext vor, erzählt mir, was bis jetzt innerhalb der Handlung so passiert ist, verbunden mit regelmässigen Ausrufen, dass das „ja soooo spannend“, „total aufregend“ und sowieso ist – seine Feststellung, dass „hach, bei dieser einen Szene habe ich richtig Herzklopfen bekommen“ liess ihn besagte Stelle mir vorlesen.
Dabei entdeckt er seinen Spass am Vorlesen und liest den Roman weiter, indem er ihn mir zugleich vorliest. Gut, so plötzlich mittig in die Geschichte hineingeschmissen verstehe ich nur zwei Sachen: 1. Bahnhof, 2. A. ist ja sowas von buchverknallt!
A. ruft mich die nächsten drei Tage weiterhin zum Vorlesen ihn beeindruckt habender Passagen (die so natürlich sehr zusammenhanglos erscheinen) an, am vierten Tag habe ich mir dasselbe Buch gekauft und bereits ausgelesen, als A. abends anruft. „Wenn du mir heute wieder einfach nur willkürlich ausgewählte Abschnitte vorliest, verrate ich dir, wie es ausgeht!“, drohe ich ihm, dem das letzte Fünftel noch unbekannt ist. Er liest mir nie wieder vor.
Aber nachdem er den Roman ausgelesen hat, flitzt A. in die nächste Buchhandlung, aber bis heute war nie wieder ein Buch wie „Der Kindersammler“.

Ich habe den Roman später meiner Mutter gegeben, die hat ihn an meine Schwägerin weitergereicht. Ihre beste Freundin hatte den „Kindersammler“ selbst jüngst gelesen und auch schon an ihre Tochter weitergereicht, die den Roman dann an die Tochter einer weiteren Bekannten aus dem elterlichen Umfeld weitergab und so zog jener Thriller also seine Kreise. Alle schwerbegeistert und weil alle dieses Buch so grossartig fanden, würde Thieslers „Der Kindersammler“ definitiv zu meinen heutigen Empfehlungen zählen.

Ansonsten …?!

Top Ten Thursday – Buch 7

Florian Sump, Ex-Schlagzeuger von ECHT und jetzt einer der Drei von „Deine Freunde“, landete vor Jahren zufällig im Kino, als „So finster die Nacht“ lief und war von diesem atmosphärischen, skandinavischen Vampirfilm äusserst positiv angetan.
Dabei handelt es sich um die Verfilmung eines Romans von John Ajvide Lindqvist und ich habe natürlich erst einmal den Roman gelesen, ehe ich dem Film-Tipp folgte. War blöd, ich geb’s zu.
Denn ich habe ihm das dereinst zwar schon mitgeteilt, aber folgende Aussage ist immer noch gültig: „Verdammte Hacke, Flo, im Film fehlen ja die wichtigsten Details! Wenn man den Roman kennt, ist die Verfilmung gar nicht so gut umgesetzt, aber oi, der Roman war echt bombe! Deswegen trotzdem Danke für den Tipp!“

Tatsächlich ist „So finster die Nacht“ einer meiner liebsten Romane*, was düstere Vampirgeschichten angeht. Sehr faszinierend, sehr eindrücklich, eine fantastisch wiedergespiegelte Trostlosigkeit: super!

Top Ten Thursday – Buch 8

Ende der 1990er nahm ich von der Schule aus an einer Lesung Fred Schwarz‘ teil, der seine Autobiografie „Züge auf falschem Gleis“* vorstellte, in der er –man ahnt es vermutlich schon- seine Jugendjahre als Jude während des Zweiten Weltkriegs beschrieben hat.
Das war eine sehr beeindruckende Begegnung, ich freue mich heute noch, dass ich die Gelegenheit hatte, diesen Mann zu treffen, der unglaublich gefestigt über das ihm Zugestossene sprechen konnte und sich teils auch an die winzigsten Details erinnerte, weil ihn das alles doch eben bis ins tiefste Mark hinein erschüttert hatte.
Im Rahmen der Lesung bekam damals tatsächlich jeder der Anwesenden ein Exemplar der Biografie, ja, fest eingebunden, geschenkt. Das war unglaublich, weil mit uns eben auch insgesamt drei Schulklassen anwesend waren, deren Lehrkräfte wiederholt betonten, es müsse nun ja nicht jeder ein Buch bekommen; ein Exemplar für die Schulbücherei würde da doch völlig ausreichen, zumal man von Seiten Schwarz und seiner Verlagsbegleitung  auch gar nicht derart viele Ausgaben zur Lesung mitgebracht hatte. Aber es wurde tatsächlich darauf bestanden, auch jedem Schüler noch ein eigenes Exemplar zukommen zu lassen! Jeder sollte es im Regal stehen haben und jeder sollte es jederzeit lesen können. Jene Lesung, bei der Fred Schwarz übrigens nur einige ganz kurze Auszüge las und den Grossteil der Zeit aber damit verbrachte, frei zu erzählen bzw. sich mit dem Auditorium zu unterhalten, werde ich nie vergessen!

„Züge auf falschem Gleis“ steht immer noch in meinem Regal, ich habe es inzwischen schon mehrmals gelesen; tatsächlich habe ich noch kein anderes Buch so oft wiederholt gelesen. Die meisten Bücher lese ich ohnehin nur ein einziges Mal, aber diese Biografie hole ich doch immer wieder hervor.
Ja, würde man „Züge auf falschem Gleis“ nur anlesen (können) und hätte trotzdem nach wie vor „einfach grad keinen Lesemoment“, das fände ich dann doch auch traurig.

Ende. 

Ich muss in einer Top-10-Liste nicht unbedingt auf Biegen und Brechen auf zehn Titel kommen. Es gibt Wichtigeres im Leben. Und es gibt Ärgeres als eine vermeintliche Leseflaute. Wer’s nicht glaubt, muss sich lediglich das letzte Buch meiner heutigen Aufstellung ansehen …

Kommentare:

  1. Hi!
    von deinen Büchern, kenn ich leider kein einziges... :-(
    Hier meine Liste: http://chrissysbuchwelt.blogspot.de/2015/07/ttt-top-ten-thursday-7-218.html

    LG
    Chrissy

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  2. Hi!

    Gelesen habe ich davon noch keins aber die BESONDEREN KINDER stehen auf meiner "to do"-Liste.

    LG,
    André
    Bibliothek von Imre

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