Mittwoch, 28. Juni 2017

[Blogparade] #Geheimtipps (die ich bisher gar nicht verheimlicht habe)

Der plappernde Lesepapagei hat sich wortlos verflattert. Oder doch nicht? ;)
Nein, ich bin derzeit nur nahezu fast ebenso schreibfaul wie lesefaul und wenn ist meine Lektüre aktuell entgegen meiner eigentlichen sprachlichen Präferenzen deutschsprachig, aber immerhin oftmals noch von Menschen geschrieben, die vielfach auch (noch?) völlig unbekannt sind. Kurzum: Fast alles, was ich derzeit lese, ist von mir hier nicht vorstellbar.

Aleshanee hat bereits Mitte Mai den Startschuss zu einer Blogparade mit dem wunderbaren Thema „Eure #Geheimtipps“ abgefeuert und ebenso lange lauert ihr Eröffnungsbeitrag in meiner Lesezeichenliste darauf, dass ich doch endlich meine Antwort verfassen möge. Eigentlich hatte ich auch fest vor, Mitte Mai meinen Beitrag zu jener Blogparade bereits zu veröffentlichen und nun ja, nun ist es Ende Juni; die Parade nimmt übermorgen ihr offizielles Ende; und ich hatte bislang noch nicht einmal begonnen, meine Geheimtipps zu definieren.
Bis zu einer Handvoll Geheimtipps an Lesestoff sind erfragt und ich denke, ich werde da definitiv nun auch fünf Titel aufführen (können). Da ich abseits von Stephen King und Sophie Kinsella hier ja allzu häufig von unbekannten Autoren aus dem Ausland, vielmehr: ihren Büchern, berichte, sind wohl die meisten der Titel, die ich auf diesem Blog letztlich empfehle, mehr oder minder „Geheimtipps“.

Wer bei Pinterest ist (und sowohl an englischsprachigen Büchern interessiert sowie covergeil ist), findet an dieser Stelle die Cover aller Bücher, welche ich bisher auf diesem Blog vorgestellt habe und kann sich nach dem Anklicken eines Covers zur zugehörigen Rezension weiterleiten lassen – und so herausfinden, welche Lesetipps ich noch so auf Lager hätte.
In diesem Beitrag werde ich nun lediglich die Besondersten der ganz besonderen Bücher einmal mehr erwähnen.

1. Jana Zinser: „The Children’s Train – Escape on the Kindertransport“

Dies ist eines jener Werke, welche niemals veralten werden: Es erzählt die Geschichte Peters, eines jüdischen Jungen aus Berlin, der während des Nazi-Regimes noch so just vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit einem Kindertransport ausser Landes gebracht wird, mit einigen wenigen seiner Freunde, von denen sehr viele in Deutschland zurückbleiben. Aber es erzählt nicht nur von Peter, sondern auch vom Leben der Anderen, und von ihrem Leiden. Was für Peter häufig ungewiss bleibt, ob Familie und Freunde noch leben, wird dem Leser oftmals sehr schnell klar… Peter entscheidet sich letztlich zurückzugehen, in den Untergrund, in den Widerstand, um seine Liebsten zu retten, die er vielfach schon lange nicht mehr retten kann, aber wie gesagt: Nicht, dass er das sicher wüsste. Wir als Leser aber schon.
Am Ende heulte ich. Es ist ein sehr bewegendes, emotionales, nachhallendes und nachdenklich machendes Buch. (Leben wir wirklich in einer Gesellschaft, die drauf und dran ist, diese Geschichte zu wiederholen?)


2. Alex Caan: „Cut to the Bone“ 

Ich hatte einen Jugendthriller erwartet, der im Youtube-Umfeld spielen würde, und bekam doch so viel eher ein sozialkritisches Drama, dass mit der Zuckerwattewelt der Vlogger, welche die jüngere Zielgruppe ansprechen, aufräumte. „Oh, der ist so süß!“ entpuppte sich mitunter als sadistischer Psycho; vermeintliche Plastikpüppchen waren unerwartet (umwelt)politisch engagiert und beteuerten, aufgrund ihrer Reichweite seien sie der Humanität und Moral verpflichtet; „Die sind das tollste Paar überhaupt auf YouTube!“ waren gar kein Paar; „Ach, er tritt immer sooooooo lieb auf!“ lebte pädophile Neigungen aus und der ganze Shopping-Haul-BenutztUndVerbraucht-Werbekram kam in üppig bezahlten Videos vor… Hier war nun definitiv nicht alles und jeder böse, aber die SchönerSchein-Welt und der in ihr stattfindende immense Konsum wurde sehr stark angeprangert, mitunter am Beispiel der Blutmineralien und seltenen Erden bzw. Rohstoffen, die aus Ländern stammen, die man nicht kritisiert und die man nur deswegen mit keinem Embargo belegt, weil man selbst zu abhängig von deren Minen ist. Quasi „scheiß auf Kinderarbeit und Folter; wir brauchen das Zeug für unsere Smartphones und von denen brauchen wir immer gaaaaaanz unbedingt das neuste Modell“.
Und ja, trotzdem ist das Ganze sehr unterhaltend, aber eben doch ein Appell an Vernunft und Verantwortung und um die Abkehr von „nach mir die Sintflut“.
Heutzutage rühmt sich ja fast jeder Roman, dass seine Geschichte zwar im Bereich der unterhaltenden Belletristik angesetzt, „aber mit Tiefgang!“, sei. Stimmt meistens überhaupt nicht und klingt auch selten gut, aber dafür meistens verzweifelt.
In diesem Fall ist die Handlung aber tatsächlich mit tiefergehenden Gedankenanstössen durchsetzt.


3. Phil Harvey: „Show Time“

Auf dieser Brot-und-Spiele-Schiene ist auch Harveys „Show Time“ unterwegs; hier sind Erfolg und Einschaltquoten wichtiger als Menschenleben und das dazu noch forciert von einer Regierung, die die Bevölkerung mittels einer Reality Show vor den Fernsehern anhalten lassen will, während sie weitgehend widerspruchslos einen Militärangriff gegen ein anderes Land durchführen wollen. Ich bin immer noch erschüttert ob der Szene, in der eine Produktionsverantwortliche auf eine kritische Nachfrage hin  mit einer krassen Logik erklärt, dass Kriege gut sind. Klar, auch hier geht es um Geld. Und um Macht.




4. Jack Jordan: „My Girl“
Alles, was Paige vor Jahren von ihrer verschwundenen jugendlichen Teenie-Tochter hatte beerdigen können, war ein abgetrennter Arm, der angespült worden war. Der Fall ist bis heute ungeklärt; Paige tröstet sich längst mit Alkohol und Tabletten, exzessiv konsumiert, und jüngst hat sich ihr Ehemann das Leben genommen. Paige fühlt sich seither gestalkt, aber alle meinen, sie leide aufgrund ihrer Abhängigkeiten unter Wahnvorstellungen und vergesse, was sie im Rausch angestellt habe…
„My Girl“ ist ein Thriller, aber vielmehr doch ein Psychodrama, dessen trauriger Ernst sich in der Auflösung zeigt.  Ich habe zwar auch einige Aspekte der Handlung kritisiert, aber „My Girl“ ist definitiv ein Überraschungshit für mich gewesen und da finde ich es auch sehr schade, dass der Autor bislang nicht mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte. Denn ich finde, das könnte durchaus ein Roman für die Bestsellerlisten sein. So ein bisschen Joy-Fielding-artig. ;)


5. Lewis Bryan: „Harmony, USA“
Wiederum ein Thrillerpsychodrama, in dem ein Mörder ganz unbekümmert von seinen Taten erzählt und sich noch interessiert unter die Trauergemeinde eines Opfers mischt, in der er nicht auffällt, was zeigt: Der Mörder gehört dazu. Als Leser ist man geneigt, den Täter für ein schizophrenes Dreckschwein ohne jegliches Gewissen zu halten, denn hier wird kein einziger Mord bereut, aber: Zunächst weiss man selbst nicht, wer der Mörder überhaupt ist und wenn er dann seine unglaubliche Identität enthüllt und seine Motive aufzeigt, ist man durchaus geneigt, den Täter anfeuern zu wollen.
„Harmony, USA“ kam für mich mit einer wirklich erstaunlichen Wendung daher; da weiss man hinterher nicht so recht, wie man Selbstjustiz nu so generell eigentlich einstufen will.


Soviel zu meinen Geheimtipps.
Zu den jeweiligen Rezensionen meinerseits kommt ihr übrigens, wenn ihr nun auf den entsprechenden Titel klickt; im Folgenden sind sie alle fein verlinkt und vielleicht spricht euch ja spontan auch der ein oder andere Titel an? ;)

Jana Zinser / "The Children's Train - Escape on the Kindertransport"
Alex Caan / "Cut to the Bone"
Phil Harvey / "Show Time"
Jack Jordan / "My Girl"
Lewis Bryan / "Harmony, USA"



PS: Es wird ja so oft behauptet, mit Gratis-Aktionen bei Amazon würden die Schmierfinken Autoren nur den letzten Rotz bewerben. Wären die eBooks nicht kurzzeitig im Kostenlos-Angebot gewesen, hätte ich übrigens sowohl „My Girl“ als auch „Harmony, USA“ wahrscheinlich niemals entdeckt…  ;) So viel zu den Vorurteilen.

Kommentare:

  1. Hey!

    Wie schön, dass du auch mitgemacht hast!

    Ich kenne von deinen Geheimtipps keinen einzigen! Weder davon gehört, noch irgendwo gesehen ... perfekt also :)

    Mich sprechen vor allem "My Girl" und "Harmony, USA" an - so wie du das beschreibst, könnten die wirklich was für mich sein, da werd ich mir gleich auch noch deine Rezis dazu durchlesen!

    Am 7. Juli kommt dann auf meinem Blog der Sammelpost, wo ich alle teilnehmenden Blogs verlinke ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

    PS: Zwecks den Gratis-Aktionen - es gibt immer wieder tolle Sachen, egal wo man schaut. Auch bei Verlagsbüchern hat man oft genug mal Bücher in der Hand, die man total schrottig findet ;) Und andersrum gehts eben auch!

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  2. Guten Morgen!

    Ich sag nochmal ganz herzlichen Dank fürs mitmachen und wünsche viel Spaß beim Stöbern - ich hab heute alle teilnehmenden Blogs zur Aktion für euch zusammengestellt :)

    Blogparade eurer #Geheimtipps

    Liebste Grüße und einen schönen Tag!
    Aleshanee

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